Moorwelt

Seit dem Spätsommer 2024 bin ich im Moor versunken. Fasziniert haben mich Moore allerdings schon viel länger. Auf meinen Reisen habe ich immer wieder welche besucht – besonders die weiten Moorlandschaften des Baltikums haben mich tief beeindruckt.

Moore sind für mich besondere Orte. Sie wirken auf den ersten Blick oft karg und unscheinbar, doch wer sich Zeit nimmt, entdeckt eine erstaunliche Vielfalt. Seltene Pflanzen, faszinierende Tiere und eine Landschaft, die von Ruhe, Mythen und einer ganz eigenen Magie geprägt ist. Viele Arten sind auf diesen einzigartigen Lebensraum angewiesen. Gleichzeitig gehören Moore zu den wichtigsten natürlichen Verbündeten im Klimaschutz und leisten einen wertvollen Beitrag zum Wasserhaushalt und zur Artenvielfalt.

Den entscheidenden Anstoß gab eine Führung durch das Helstorfer Moor bei Hannover. Dort bin ich im wahrsten Sinne des Wortes – aber auch im übertragenen Sinn – im Moor versunken. Die Führung war so intensiv und inspirierend, dass sie weit mehr war als ein informativer Spaziergang. Sie weckte in mir den Wunsch, mich selbst für diesen einzigartigen Lebensraum zu engagieren. Seitdem nehme ich regelmäßig an Moorpflegemaßnahmen teil, habe zahlreiche Moore in der Region Hannover kennengelernt und reise inzwischen auch durch Norddeutschland, um weitere Moore zu entdecken.

Mit jeder Tour wächst meine Verbundenheit zu diesen Orten. Ganz gleich, in welchem Moor ich unterwegs bin – sie vermitteln mir ein Gefühl von Ruhe, Vertrautheit und Heimat. Es ist ein Lebensraum, in dem ich mich wohlfühle wie kaum an einem anderen Ort. Jede Jahreszeit zeigt ein anderes Gesicht, jede Wanderung bringt neue Entdeckungen mit sich.

Aus all diesen Gründen wollte ich den Mooren auf meiner Website eine eigene Rubrik widmen. Hier findest du Bilder aus den unterschiedlichsten Mooren – Landschaften, Pflanzen, Tiere und die besonderen Stimmungen, die diese Orte auszeichnen. Vielleicht gelingt es den Fotografien, etwas von der Faszination weiterzugeben, die mich immer wieder hinaus ins Moor zieht.

Nachfolgend werde ich von einigen Mooren erzählen, die ich regelmäßig besuche oder besucht habe.

Hier sind wir nun in der Hannoverschen Moorgeest, sozusagen in meinem Moorgebiet vor der Haustür. Regelmäßig bin ich im Oldhorster Moor, Helstorfer Moor und Altwarmbüchener Moor unterwegs, sowohl bei Moorpflegemaßnahmen (Entkusseln) als auch mit der Kamera.

Die Hannoversche Moorgeest gehört zu den bedeutendsten Hochmoorlandschaften Niedersachsens. Über viele Jahrzehnte wurden die Moore entwässert und dadurch stark verändert. Mit dem LIFE-Projekt „Hannoversche Moorgeest“ begann die großflächige Wiedervernässung der Moore. Entwässerungsgräben werden verschlossen, Dämme errichtet und Regenwasser wieder im Moor gehalten, die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Torfmoose wachsen und das Moor langfristig wieder lebendig werden kann.

Mit dem LIFE-Projekt „RePeat“ wird dieser Weg konsequent fortgesetzt. Ziel ist es, noch mehr Moore wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen und damit Lebensräume zu erhalten, Wasser zurückzuhalten und langfristig Kohlenstoff zu speichern.

Was oft übersehen wird: Der Moorschutz begann nicht erst mit den großen Förderprojekten. Schon viele Jahre zuvor haben engagierte Ehrenamtliche unzählige Stunden damit verbracht, Birken und Kiefern von Hand aus den Mooren zu entfernen, um ihre Verbuschung zu verhindern, das ganze zum Teil illegal. Diese Menschen, die ich kennenlernen durfte, beeindrucken mich immer wieder. Sie sind so vielfältig wie die Moore selbst, von über 70-jährigen, die seit Jahrzehnten mit anpacken, bis hin zu den Jüngsten, die mit Begeisterung dabei sind. Sie alle verbindet die Liebe zum Moor und die Überzeugung, dass wir handeln müssen, wenn wir diesen einzigartigen Lebensraum für kommende Generationen erhalten wollen.

Es ist faszinierend, diesen Wandel mitzuerleben. Mit jedem Jahr verändert sich die Landschaft ein wenig. Wasser kehrt zurück, Torfmoose breiten sich aus und viele moortypische Tier- und Pflanzenarten finden wieder geeignete Lebensräume. Für mich ist die Hannoversche Moorgeest deshalb weit mehr als ein Naherholungsgebiet, sie ist ein Ort, an dem ich erleben kann, wie Naturschutz ganz konkret funktioniert und wie aus einem entwässerten Moor Schritt für Schritt wieder ein lebendiger Lebensraum entsteht.

Bisher war ich erst einmal im Diepholzer Moor unterwegs. Vor Ort bot sich der Sonnentau als Hauptmotiv an, er schien einem stellenweise fast über die Füße zu wachsen. Doch statt mich ausschließlich auf das Fotografieren zu konzentrieren, verbrachte ich einen großen Teil des Tages damit, dieses weitläufige Moorgebiet zu erkunden.

Die Diepholzer Moorniederung gehört zu den größten zusammenhängenden Moorlandschaften Deutschlands. Sie umfasst zahlreiche Hochmoore, von denen viele heute unter Schutz stehen und nach Jahrzehnten des Torfabbaus schrittweise wiedervernässt werden. Dadurch entwickeln sich vielerorts wieder typische Moorlebensräume mit Torfmoosen, Wollgras, Sonnentau und einer beeindruckenden Tierwelt.

Ein Tag reicht bei Weitem nicht aus, um diese vielfältige Landschaft kennenzulernen. Umso mehr freue ich mich darauf, wiederzukommen dann mit mehr Zeit, um sowohl die Moore als auch ihre kleinen und großen Bewohner in Ruhe zu entdecken.

Ins Tister Bauernmoor fahre ich bisher vor allem wegen der Kraniche. Sie lassen sich an den großen Wasserflächen der ehemaligen industriellen Torfstiche hervorragend beobachten und fotografieren. Besonders während des Herbstzuges, wenn sich tausende Kraniche hier zum Schlafen einfinden, ist das allabendliche Einfliegen ein beeindruckendes Naturschauspiel.

Doch das Tister Bauernmoor hat weit mehr zu bieten als seine Kraniche. Die durch den früheren Torfabbau entstandenen Wasserflächen haben sich nach der Wiedervernässung zu einem wertvollen Lebensraum für zahlreiche Vogelarten entwickelt. Beobachtungstürme ermöglichen einen guten Blick über das Gebiet, ohne die Tiere unnötig zu stören. Gleichzeitig lassen sich entlang der Wege viele typische Moorpflanzen und die verschiedenen Entwicklungsstadien eines wiedervernässten Hochmoores entdecken.

Auch wenn mich die Kraniche immer wieder hierher locken, gibt es für mich noch vieles zu entdecken. Das Tister Bauernmoor ist ein Ort, an den ich ganz sicher noch oft zurückkehren werde.

Ich liebe das Pietzmoor. Kennengelernt habe ich es wegen der berühmten blauen Moorfrösche, von denen ich hier das erste Mal gehörte hatte. Doch was als gezielte Suche nach einem Motiv begann, entwickelte sich schnell zu einer viel tieferen Verbundenheit mit diesem besonderen Ort.

Nach und nach zeigte mir das Pietzmoor seine ganze Vielfalt. Die Rufe der Kraniche, das Summen der Libellen, Wollgras,Torfmoose und die vielen kleinen und großen Bewohner des Moores machen jeden Besuch zu einem besonderen Erlebnis. Je öfter ich dort unterwegs bin, desto mehr entdecke ich – und desto mehr wächst meine Begeisterung für diesen einzigartigen Lebensraum.

Das Pietzmoor ist eines der bekanntesten Hochmoore der Lüneburger Heide. Über einen Holzbohlenweg lässt sich das Moor auf schonende Weise erkunden und bietet dabei eindrucksvolle Einblicke in eine Landschaft, die über Jahrtausende gewachsen ist. Nach dem Ende des Torfabbaus wurden große Teile des Moores wiedervernässt, sodass sich heute viele typische Moorpflanzen und -tiere ihren Lebensraum zurückerobern konnten.

Trotz seiner Bekanntheit findet man hier immer wieder ruhige Momente. Besonders früh am Morgen oder am Abend entfaltet das Moor eine ganz besondere Stimmung. Nebel zieht über die Wasserflächen, das Licht verändert sich von Minute zu Minute und mit etwas Geduld begegnet man Tieren, die vielen Besuchern verborgen bleiben.

Für mich ist das Pietzmoor weit mehr als ein beliebtes Ausflugsziel. Es ist ein Ort, an dem ich immer wieder zur Ruhe komme, staune und erlebe, wie lebendig, vielfältig und schützenswert unsere Moore sind.

Der Anklamer Stadtbruch gehört zu den beeindruckendsten Moorlandschaften im Osten Deutschlands.

Über Jahrzehnte wurde das Gebiet entwässert und landwirtschaftlich genutzt. Nach einem Deichbruch im Jahr 1995 kehrte das Wasser zurück und mit ihm begann sich die Natur ihren Lebensraum Schritt für Schritt zurückzuerobern. Die Deiche wurden damals aus finanziellen Gründen nicht wieder aufgebaut. Gleichzeitig erkannten engagierte Naturschützer die einmalige Chance, die sich dadurch bot, und setzten sich mit großem Einsatz dafür ein, das Gebiet sich selbst zu überlassen und dauerhaft zu schützen.

Heute steht der Anklamer Stadtbruch beispielhaft dafür, wie sich ein Moor durch Wiedervernässung regenerieren kann. Abgestorbene Bäume, weite Wasserflächen und ausgedehnte Schilfgürtel prägen das Landschaftsbild und bieten zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum.

Für mich ist dieser Ort ein beeindruckendes Beispiel dafür, welche Kraft die Natur entfalten kann, wenn man ihr den nötigen Raum gibt. Er zeigt eindrucksvoll, dass aus einer vom Menschen veränderten Landschaft wieder eine einzigartige Wildnis entstehen kann.

Fast genauso oft wie im Anklamer Stadtbruch war ich bisher im Ochsenmoor unterwegs. Dieses weitläufige Niedermoor zählt zu den bedeutendsten Wiesenvogellebensräumen Norddeutschlands und begeistert mich bei jedem Besuch aufs Neue.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier auf den Wat- und Wiesenvögeln. Mit etwas Glück lassen sich Kiebitz, Großer Brachvogel, Bekassine, Uferschnepfe und sogar der seltene Kampfläufer beobachten. Gerade während der Brut- und Zugzeiten herrscht hier ein reges Treiben, und überall gibt es etwas zu entdecken.

Das Ochsenmoor zeigt eindrucksvoll, wie wichtig offene, feuchte Wiesen und flache Wasserflächen für diese spezialisierten Vogelarten sind. Durch eine angepasste Bewirtschaftung und gezielte Schutzmaßnahmen konnte ein wertvoller Lebensraum erhalten werden, der heute vielen bedrohten Arten zugutekommt.

Für mich ist das Ochsenmoor ein Ort der Ruhe und des Beobachtens. Hier verbringe ich gerne viele Stunden, lausche den Rufen der Wiesenvögel und genieße die Weite dieser besonderen Landschaft.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das Ochsenmoor inzwischen touristisch gut erschlossen ist. Neben zahlreichen Naturfotografen sind hier auch viele Wanderer, Radfahrer und Spaziergänger unterwegs, die diese besondere Landschaft erkunden. Das zeigt, wie groß die Faszination dieses Gebietes ist macht aber zugleich deutlich, wie wichtig ein rücksichtsvolles Miteinander ist, damit die Natur und ihre Bewohner auch künftig den nötigen Raum behalten.

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